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Die Schweizergarde

Vor fünf Jahrhunderten wurden Schweizer aufgrund Ihrer Loyalität und militärischen Qualitäten als päpstliche Armee rekrutiert. Seitdem ist die Schweizergarde, heute noch bekannt für ihre Professionalität und Disziplin, mit der Aufgabe betraut, die Sicherheit des Papstes zu garantieren. Die Erscheinung und der Auftrag der traditionellen Schweizergarde haben sich über die Jahre nicht geändert, die Ausbildung und Ausrüstung werden jedoch laufend an aktuelle Herausforderungen angepasst.

Keine Showgarde

Seit über 500 Jahren steht die Schweizergarde, die auch als «kleinste Armee der Welt» bezeichnet wird, im Dienste des Papstes im Vatikan. Erst kürzlich wurde aufgrund erhöhten Einsatzbedarfes die Aufstockung des Kontingents von 110 auf 135 Mann beschlossen. Die Schweizer sind zusammen mit dem Gendarmeriekorps des Vatikanstaats für die Sicherheit des Pontifex im und ausserhalb des Vatikans zuständig und begleiten den kontaktfreudigen Papst Franziskus bei allen seinen öffentlichen Auftritten.

Neben dem Sicherheitsdienst gehören aber auch Ehrendienste, wie die Präsenz bei Empfängen und Audienzen, zur Aufgabe der Schweizergardisten. Nichtdestotrotz handelt es sich bei der Truppe in den malerischen Kostümen keineswegs um eine Showgarde. Im Ernstfall müssen die Hellebardiere rasch die richtigen Entscheidungen treffen, um den Papst zu beschützen.

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«Acriter et Fideliter» – tapfer und treu

Die Schweizer Soldaten galten aufgrund ihres Mutes, ihrer edlen Gesinnung und ihrer Treue als unbesiegbar. Noch heute führt die Garde ihre Aufgaben nach dem Motto «Acriter et Fideliter», zu Deutsch tapfer und treu, aus. Es erstaunt daher nicht, dass im 16. Jahrhundert die Wahl des Papstes auf die Schweizer Söldner fiel. Laut dem Schweizer Botschafter im Vatikanstaat, Pierre-Yves Fux, wurden die Schweizer damals vor allem auch wegen ihrer Loyalität und militärischen Qualitäten rekrutiert.

infographie garde suisse

Als offizieller Gründungstag der Päpstlichen Schweizergarde gilt der 22. Januar 1506, der Tag, an dem 150 Schweizer aus dem Kanton Uri in Rom einmarschierten und danach zum ersten Mal in den Vatikan einzogen, wo sie von Papst Julius II. gesegnet wurden. Die traditionelle Vereidigung neuer Rekruten findet aber jedes Jahr am 6. Mai statt. Am gleichen Tag im Jahr 1527 liessen damals 147 Schweizergardisten ihr Leben, als sie Papst Clemens VII. während der Plünderung Roms, auch als Sacco di Roma bekannt, schützten.

Wie wird man Schweizergardist?

«Wer Schweizergardist werden möchte, muss persönliches Engagement und starke Überzeugungen in allen Dimensionen mitbringen, sowie bereit sein, seine bekannten Routinen abzulegen», so Botschafter Pierre-Yves Fux. Um Teil der Garde zu werden, müssen strikte Voraussetzungen erfüllt werden. Neben abgeschlossenem Schweizer Militärdienst muss ein Anwärter praktizierender Katholik und mindestens 174 cm gross sein. Wenn man betrachtet, mit welch stoischer Ruhe und Professionalität die Gardisten ihre Aufgaben ausführen, wird schnell klar, dass nebst den formellen Anforderungen auch Tugenden wie Disziplin, Respekt und Professionalität mitzubringen sind. Für die mindestens zwei Jahre Dienst als Schweizergardist werden die Rekruten in der Schweiz wie auch im Vatikan vorbereitet und ausgebildet.

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Mit ihren unverkennbaren Uniformen hauchen die Gardisten der historischen Umgebung des UNESCO-Weltkulturerbes Vatikanstaat Leben ein. Auffallend sind die leuchtenden gelb-blau-roten Renaissance-Uniformen mit dem dazugehörenden federgeschmückten Helm, die noch heute getragen werden. Während der Ausbildung, im Nachtdienst und wochentags am Eingang St. Anna wird aber eine schlichtere, blaue Uniform getragen.

Die Schweizergarde gestern und heute

In diesen traditionellen Uniformen stecken heute gut ausgebildete junge Schweizer, welche die über 500 Jahre alte Tradition der Schweizergarde weiterleben. Mit den Söldnern aus dem 16. Jahrhundert verbindet sie immer noch die Bereitschaft, sich und sein Leben für das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche einzusetzen. Ebenso sind Werte wie Zuverlässigkeit, Treue und Pflichtbewusstsein, durch die sich die Gardisten auszeichnen, für die tägliche Arbeit immer noch unabdingbar. Auch die Mehrsprachigkeit der Hellebardiere aus der eng vernetzten Schweiz werde laut Pierre-Yves Fux im internationalen Umfeld des Vatikans heute sehr geschätzt.

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Die Aufgaben und Erscheinung der Schweizergarde haben sich über die Jahre nicht geändert. Die Ausrüstung und Ausbildung müssen jedoch stetig an die neuen Herausforderungen angepasst werden, damit die «kleinste Armee der Welt» sicherheitstechnisch jederzeit auf dem neusten Stand ist. Neben den als Fotomotiven beliebten Hellebarden und Schwertern verfügen die Gardisten für den Ernstfall über Reizgas-Sprays und Schusswaffen.

Das Erfolgsrezept: Tradition und Innovation

Die Moderne und neue Technologien machen auch vor der Schweizergarde nicht Halt. Soeben wurde ein Teil der Soldaten mit neuen Helmen aus dem 3D-Drucker einer Schweizer Firma ausgerüstet. Diese sind mit einem Gewicht von 570 Gramm um einiges leichter und komfortabler zu tragen als die Metallmodelle aus dem 16. Jahrhundert.

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Diese Kombination von Innovation und Tradition, durch die sich die Schweiz auch in anderen Bereichen auszeichnet, machen laut Botschafter Pierre-Yves Fux denn auch das beständige Engagement der Schweizer für die Sicherheit im Vatikan aus. Die Bereitschaft, sich stetig weiterzuentwickeln und dabei das Wesentliche zu wahren, ist gemäss Fux das Erfolgsrezept hinter dem langjährigen Bestehen der Schweizergarde.

Am 21. Juni 2018 wird der Papst in die Schweiz reisen, wo er von einem Detachement der Garde begleitet wird.

pierre yves fux

Weitere Informationen : Der Papst in Genf: politisches Treffen und grosse Messe