Die Schweiz – Wiege der Olympischen Spiele

Die Schweiz – Wiege der Olympischen Spiele

Die Wintersportarten gehören zum Schweizer Kulturerbe. Daher erstaunt es nicht, dass die ersten Olympischen Winterspiele 1928 in der Schweiz stattfanden. Die ersten? Nicht ganz!

Denn die Wettkämpfe in St. Moritz gingen als die zweiten Olympischen Winterspiele in die Geschichte ein, nachdem das Internationale Olympische Komitee (IOC) die «Internationale Wintersportwoche» von 1924 in Chamonix nachträglich zu den ersten Olympischen Winterspielen erklärt hatte.

1928 empfing das Engadiner Bergdorf St. Moritz 464 Athletinnen und Athleten aus 25 Nationen. Während in Frankreich die exotischen Länder noch fehlten, nahmen in St. Moritz auch Argentinien, Japan und Mexiko teil. Während 9 Tagen massen sich die Pioniere des Wintersports in 14 Disziplinen. Das Gebiet um den zugefrorenen St. Moritzersee stand für die Vielfalt der Schweiz, wurde hier doch Deutsch, Italienisch und Rätoromanisch gesprochen, also gleich drei der vier Landessprachen.

Wettkämpfer an einem alpinen Skirennen 1928 © IOC

St. Moritz – zwischen Innovation und Tradition

In St. Moritz wurde 1938 einer der ersten Skilifte in Betrieb genommen. Der Ferienort mit seinen historischen Hotels hatte jedoch bereits Mitte des 19. Jahrhunderts das Potenzial des Wintersports entdeckt. Aus dem kleinen Bergdorf wurde einer der ersten Wintersportorte. Es überrascht also nicht, dass sich das IOC für St. Moritz entschied, obwohl andere Lokalitäten in den Schweizer Alpen auch in der Lage gewesen wären, die Winterspiele von 1928 auszutragen.

St. Moritz ist ein dynamischer Ort, der seine Traditionen pflegt und gleichzeitig weltoffen ist und bereits zahlreiche internationale Wettkämpfe organisiert hat. Obwohl St. Moritz 1822 Meter über Meer liegt, waren die Olympischen Spiele von 1928 für die Freiwilligen, die bei den Wettkampfvorbereitungen halfen, kein leichtes Spiel. Nach dem Schneesturm während der Eröffnungsfeier wurden die frühlingshaften Temperaturen zum Spielverderber. Der Eisschnelllaufwettkampf über 10 000 Meter fiel buchstäblich ins Wasser. Trotz der Wetterkapriolen gelang es dem IOC, einen besonderen Wintersportanlass auf die Beine zu stellen. Der Enthusiasmus der über 40’000 Zuschauerinnen und Zuschauer im Bündner Winterort war überall spürbar.

Start und Ziel der Langlaufwettkämpfe an den Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz © IOC
Start und Ziel der Langlaufwettkämpfe an den Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz © IOC

Neues Vertrauen nach einer ungewissen Zeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde St. Moritz 1948 zum zweiten Mal Austragungsort der Olympischen Winterspiele. Von Vorteil waren sicherlich seine Wettkampfanlagen, die nach wie vor den Anforderungen einer solchen Grossveranstaltung entsprachen. Die Tatsache, dass die Schweiz während des Kriegs neutral blieb, machte sie zudem zu einer idealen Gastgeberin für die ersten Olympischen Spiele nach dem Krieg. Angesichts der bescheidenen Ressourcen obsiegte bei den V. Olympischen Winterspielen der olympische Geist. Viele der 669 Athletinnen und Athleten aus den 28 vertretenen Ländern halfen sich gegenseitig mit Material aus.

Skisprungwettkampf an den Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz © http://blogstmoritz2017.tumblr.com/post/156123455358/einst-und-jetzt-teil-1
Skisprungwettkampf an den Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz © http://blogstmoritz2017.tumblr.com/post/156123455358/einst-und-jetzt-teil-1

Originelle Demonstrationssportarten

Der Schweiz fehlte es nie an Ideen als Gastgeberin von Olympischen Spielen. 1928 fand auf dem zugefrorenen St. Moritzersee ein Skijöring-Wettlauf statt, eine Sportart, bei der sich ein Skifahrer an einem Seil von einem Pferd ziehen lässt. Sowohl 1928 als auch 1948 wurden Militärpatrouillenläufe in Teams ausgetragen. Sie waren die Vorläufer des heutigen Biathlons, der seit 1960 als olympische Sportart anerkannt ist. 1948 wurde an Olympischen Spielen zum ersten und auch letzten Mal ein Pentathlon-Wettlauf durchgeführt. Diese atypische Disziplin umfasste fünf Sommer- und Wintersportarten: Langlauf, Schiessen, Skifahren, Fechten und Reiten.

Skijöring, eine Demonstrationssportart an den Olympischen Winterspielen 1928 in St. Moritz © IOC
Skijöring, eine Demonstrationssportart an den Olympischen Winterspielen 1928 in St. Moritz © IOC

Die Schweiz – innovativ und traditionsbewusst

Nach den Winterspielen von 1928 und der «Wiederaufnahme der Olympischen Spiele» im Jahr 1948 bereitet sich die Schweiz nun auf die Olympischen Jugend-Winterspiele 2020 in Lausanne vor. Eine lange Geschichte: 1915 liess sich das IOC in Lausanne nieder und machte die Stadt zur «Olympischen Hauptstadt», 1993 wurde das «Olympische Museum» eröffnet, und in zwei Jahren folgt mit den Olympischen Jugend-Winterspielen der dritte olympische Streich.

Die Stadt Lausanne unter einer Schneedecke © Lausanne Tourisme
Die Stadt Lausanne unter einer Schneedecke © Lausanne Tourisme

Was die Beziehung zwischen den Olympischen Spielen und der Schweiz in Zukunft bereithält, bleibt offen. Die Schweizer Sportwelt mit Swiss Olympic an der Spitze will eine Kandidatur für die Winterspiele 2026 einreichen. Nach den zwei gescheiterten Versuchen von 2002 und 2006 wurde Sion erneut als mögliche Host City für eine Schweizer Kandidatur ausgewählt. Diese soll sich an den Werten der Schweiz und der Olympischen Gemeinschaft orientieren und zu einem etwas bescheideneren Format zurückkehren. Aber bevor Sion 2026 zum dritten Mal kandidiert, kommt das Projekt am 10. Juni 2018 noch vor das Walliser Stimmvolk.

8.	Karte der Austragungsorte Sion 2026
Karte der Austragungsorte Sion 2026

Rückkehr eines Klassikers im Hinblick auf das Projekt Sion 2026

Die Geschichte wird also erst noch geschrieben. Wenn die Schweiz Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2026 wird, könnte der Olympia Bob Run St. Moritz–Celerina seine dritten olympischen Wettkämpfe durchführen. Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Betrieb genommen und ist damit die älteste und einzige Natureisbobbahn der Welt. Die Strecke zwischen St. Moritz (1852m) und Celerina (1738m) verläuft durch die freie Natur.

Der Olympia Bob Run St. Moritz–Celerina ist die älteste Bobbahn der Welt und der einzige erhaltene Natureiskanal überhaupt © https://www.stmoritz.ch/fileadmin/_processed_/csm_bob_history_765_022d336847.jpg
Der Olympia Bob Run St. Moritz–Celerina ist die älteste Bobbahn der Welt und der einzige erhaltene Natureiskanal überhaupt © https://www.stmoritz.ch/fileadmin/_processed_/csm_bob_history_765_022d336847.jpg

Die Bereitschaft, neben dieser legendären Bobbahn bereits bestehende Infrastrukturen an verschiedenen Orten für die olympischen Wettkämpfe zu nutzen, würde «Sion 2026» ins Herz der Schweiz rücken. Eishockeyspiele in verschiedenen Eishallen der Schweiz und bestimmte Disziplinen in den heute führenden Sportstätten würden den XXV. Olympischen Spielen ein vielseitiges Gesicht verleihen. Entfachen wir das Feuer!

Sion 2026