Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch

12 Schweizer Welterbestätten

Beim Stichwort Schweiz denken viele nur an Berge und Landschaften. Die Heimat von Heidi und Wilhelm Tell hat aber noch viel mehr zu bieten, zum Beispiel ihr Weltkulturerbe! Gestützt auf das UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturguts der Welt, das «von aussergewöhnlichem universellem Wert» ist, wurden seit 1983 zwölf Schweizer Stätten in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen, neun davon wegen ihrer kulturellen Bedeutung und drei wegen ihrer landschaftlichen Schönheit.

Die jüngste Schweizer Welterbestätte (seit Juli 2016) auf der renommierten Liste der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) ist eine Serie von Werken Le Corbusiers, die sich auf sieben Länder verteilen. Mit den Bauten des Schweizer Architekten, der zur modernen Bewegung gehört, umfasst die UNESCO-Liste heute zwölf Schweizer Welterbestätten.

1. Altstadt von Bern (1983)

Bern ist nicht nur die Hauptstadt der Schweiz. Die Berner Altstadt figuriert seit 1993 auf der UNESCO-Liste der Weltkulturgüter. Mit ihren sechs Kilometer langen Laubengängen ist Bern ein Juwel mittelalterlicher Städtebaukunst. Die Stadt mit Zytglogge (Zeitglockenturm), Käfigturm und Münster liegt eingebettet in die Aareschlaufe.

Bern

2. Die drei Burgen von Bellinzona (2000)

Die Befestigungsanlagen und Burgen von Bellinzona gehören seit dem Jahr 2000 zum Welterbe. Bellinzona bildete bereits für die Römer eine wichtige Verteidigungslinie. Heute sind die drei imposanten Burgen Castelgrande, Montebello und Sasso Corbaro mit ihren Wehranlagen ein wichtiges Zeugnis mittelalterlicher Befestigungsbaukunst. Im Mittelalter dienten sie als Sperrriegel gegen die Eidgenossen aus dem Norden sowie zur Kontrolle des Transitverkehrs über den Gotthard und zur Erhebung von Strassenzöllen.

Schloss Montebello und Sasso Corbaro im Hintergrund
Schloss Montebello und Sasso Corbaro © Switzerland Tourism

3. Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina (2008)

Das Trassee der Albula- und der Berninalinie der Rhätischen Bahn, einer Meisterleistung schweizerischer Ingenieurkunst, windet sich mithilfe von Kunstbauten wie Viadukten und Kehrtunneln durch die Bündner Berge. Die Strecke führt über 120 Kilometer von Thusis nach Tirano. Die roten Züge der Rhätischen Bahn, die Schweizer Innovationskraft und Tradition verbinden, fahren seit 1889 durch die wilde Naturlandschaft.

Alp Grüm
Alp Grüm © David Gubler

4. La Chaux-de-Fonds / Le Locle, Stadtlandschaft Uhrenindustrie (2009)

Die Geschichte von La Chaux-de-Fonds und Le Locle wurde durch Brände geprägt. Die dank einem Konsens zwischen privaten und öffentlichen Interessen wieder aufgebauten Städte sind einzigartige Zeugen der Uhrmacherkunst. Sie zeichnen sich aus durch eine Architektur, die dem Licht hohe Priorität einräumt, und eine urbane Struktur, die den Verkehr erleichtert. La Chaux-de-Fonds und Le Locle sind Zeugen der Industriegeschichte des späten 18. Jahrhunderts bis heute und veranschaulichen die engen Verbindungen zwischen Uhrmachertradition und Stadtbild.

La Chaux-de-Fonds
La Chaux-de-Fonds © Switzerland Tourism

5. Lavaux, Weinbergterrassen (2007)

Die engen Weinbergterrassen oberhalb des weiten Genfersees erstrecken sich über dreissig Kilometer vom Schloss Chillon bis zu den östlichen Vororten von Lausanne. In dieser Terrassenlandschaft mit ihren Steinmauern aus dem 11. Jahrhundert werden seit Generationen Reben angebaut. Das Lavaux, das vierzehn gut erhaltene Dörfer umfasst, ist ein aussergewöhnliches Beispiel für die jahrhundertealte Interaktion zwischen Mensch und Umwelt zur optimalen Nutzung der lokalen Ressourcen für die Herstellung eines beliebten Weins, der für die Wirtschaft der Region schon immer wichtig war.

Lavaux
Lavaux © Switzerland Tourism

6. Monte San Giorgio (2003)

Der pyramidenförmige, bewaldete Monte San Giorgio zwischen den beiden südlichen Armen des Luganersees gilt als bedeutendste Fundstelle für marine Fossilien aus der Trias-Zeit. In den Gesteinsschichten wurden Fossilien gefunden, die über 240 Millionen Jahre alt sind!  Da die Lagune in Landnähe lag, wurden auch Fossilien von Reptilien, Insekten und Pflanzen gefunden, die heute in einem Museum in Meride ausgestellt sind. Hier ist auch der Ticinosuchus, ein 2,5 Meter langer Landsaurier, zu sehen.

Monte San Giorgio © Ticino Turismo
Monte San Giorgio © Ticino Turismo

7. Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch (2001)

Die eindrucksvollen Landschaften der Jungfrau-Aletsch-Region spielten eine wichtige Rolle in der Kunst, der Literatur, dem Bergsport und dem Alpentourismus. Die spektakulären Berglandschaften mit imposanten Bergketten, unberührten Tälern und dem grössten Gletscher der Alpen stehen in Symbiose mit der umgebenden Kulturlandschaft und erstrecken sich über alle Vegetationsstufen von mediterran anmutender Steppe bis ins karge Hochgebirge.

Das 82’400 Hektaren grosse Gebiet gehört nicht nur wegen seiner ausserordentlichen Schönheit zu den Welterbegütern mit einem aussergewöhnlichen universellen Wert, sondern auch aufgrund der vielen Erkenntnisse, die sich hier über die Entstehung von Alpen und Gletschern sowie über die gegenwärtigen Klimaveränderungen gewinnen lassen. Die Naturlandschaft wurde 2001 als erste Region der Alpen in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Märjelensee
Märjelensee © Switzerland Tourism

8. Stiftsbezirk St. Gallen (1983)

Der Stiftsbezirk St. Gallen mit seiner prachtvollen barocken Kathedrale, die von zwölf Jahrhunderten geistigen Wirkens zeugt, bildet ein einzigartiges historisches Ensemble. Es wurde 1983 zusammen mit der Stiftsbibliothek und deren Archiven in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Die auch «Seelen-Apotheke» genannte Bibliothek umfasst 170’000 Bücher. Davon sind 50’000 im barocken Bibliothekssaal ausgestellt. Hier ist auch die 2700 Jahre alte ägyptische Mumie der Schepenese zu finden. Herzstück der Sammlung der Stiftsbibliothek sind die 2100 Handschriften, von denen ein Teil jeweils in den aktuellen Ausstellungen zu sehen sind.

St. Gallen
St. Gallen © Switzerland Tourism

9. Schweizer Tektonikarena Sardona (2008)

Die Schweizer Tektonikarena Sardona ist eine 32’850 Hektaren grosse Gebirgsformation im Nordosten der Schweiz. Sieben Gipfel sind über 3000 Meter hoch. In der sogenannten Glarner Hauptüberschiebung ist deutlich zu sehen, wie sich die Alpen infolge des Zusammentreffens der afrikanischen und europäischen Kontinentalplatte über Jahrmillionen aufgetürmt haben. Gesteinsschichten wurden übereinander geschoben, gefaltet und zerbrochen. Die Spuren dieser gewaltigen Kräfte sind in den Glarner Alpen gut sichtbar, deren schneebedeckten Berge über engen Flusstälern thronen.

Schweizer Tektonikarena Sardona
Schweizer Tektonikarena Sardona © Switzerland Tourism

10. Benediktinerinnenkloster St. Johann in Müstair (1983)

Das Benediktinerinnenkloster in Müstair im bündnerischen Münstertal ist ein Beispiel für die Erneuerung des christlichen Ordenslebens in der Karolingerzeit. Hinter seinen Mauern finden sich der bedeutendste Wandmalereizyklus der Schweiz, der aus der Zeit um 800 n. Chr. stammt, sowie Fresken und Stuck aus romanischer Zeit. In dem bei Archäologen und Kunsthistorikern sehr geschätzten Kloster wohnen auch heute noch einige Benediktinerinnen, die ihr Leben dem Gebet und der Arbeit widmen.

Benediktinerinnenkloster St. Johann in Müstair
Benediktinerinnenkloster St. Johann in Müstair © muestair.ch

11. Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen (2011)

Die 111 Pfahlbaustätten, die sich über sechs Alpenländer erstrecken, sind die Überreste prähistorischer Siedlungen. Mehr als die Hälfte der Schweizer Stätten liegen an See- oder Flussufern oder in Feuchtgebieten. Sie zeugen von menschlichem Leben vor 7000 Jahren, geben Einblick in den Alltag im alpinen Europa der Jungsteinzeit und der Bronzezeit und liefern Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Mensch und Natur.

Bevaix-Treytel
Prähistorische Pfahlbauten Bevaix-Treytel © Fabien Langenegger

12. Das architektonische Werk von Le Corbusier (2016)

Zwei der siebzehn Objekte des grenzüberschreitenden Weltkulturerbes von Le Corbusier befinden sich in der Schweiz: die Villa “Le Lac“ in Corseaux am Genfersee und das Clarté-Gebäude in Genf. Le Corbusier war eine Schlüsselfigur der Internationalisierung der Architektur und leistete einen herausragenden Beitrag zu den grundlegenden bautechnischen Herausforderungen der Gesellschaft des 20. Jahrhunderts. Le Corbusier realisierte seine Werke über eine Zeitspanne von fünfzig Jahren. Seine «geduldige Suche» begann er 1905 in La Chaux-de-Fonds und Le Locle!

Clarté-Gebäude in Genf
Clarté-Gebäude in Genf © Claudio Merlini

Mehr Informationen : www.whes.ch

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