Chasselas

Schweizer Rebsorten

Vom 18. Juli bis zum 11. August 2019 findet in Vevey die Fête des Vignerons statt. Das in der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes eingetragene Winzerfest ist eine Hommage an die Weinbäuerinnen und Weinbauern des Waadtländer Lavaux. Hier können Sie Schweizer Weine entdecken, von denen einige vor Kurzem international ausgezeichnet wurden.

Wussten Sie, dass es in der Schweiz über 200 einheimische Rebsorten gibt? Zahlreiche Sorten werden seit Jahrhunderten exportiert und in der ganzen Welt angebaut. Zu den weltweit am meisten verbreiteten Rebsorten gehört der Merlot bei den roten und der Chardonnay bei den weissen Sorten. «Eine Rebsorte gilt als autochthon oder einheimisch, wenn sie mit grösster Wahrscheinlichkeit aus der Region stammt, wobei die Herkunft durch Nachforschungen in den Registern und der Literatur belegt werden muss, oder wenn eine Verbindung zu einer anderen Sorte aus derselben Region nachgewiesen werden kann», sagt Markus Rienth, Professor an der Fachhochschule für Weinbau und Önologie in Changins. Die vier häufigsten einheimischen Sorten der Schweiz sind Chasselas, Petite Arvine, Humagne Rouge und Cornalin. Sie überzeugen auch die anspruchsvollsten Gaumen dieser Welt.

Cornalin

Ausgezeichnete Sorten

Anfang März wurden an den 25. Vinalies internationales in Paris zwei Weine des Walliser Guts Mont d’Or ausgezeichnet: ein Petite Arvine und ein Cornalin. Der Cornalin erzielte gar die Note 99/100. So viele Punkte wurden an diesem Wettbewerb noch nie vergeben. «Er hat einen fruchtigen Geschmack, eine Mischung aus roten Beeren und Kirschkernen», beschreibt Marc-André Devanthéry, Chef des Weinguts Mont d’Or in Sion, den Cornalin, der den Vinofed-Preis gewann und in Paris als bester Wein der Kategorie Cornalin ausgezeichnet wurde. «Als ich die Note der Jury hörte, war ich sprachlos. Dass sich die Jury so einig war, ist ja unglaublich! Unser Ziel ist es, das Terroir in unseren Weinen zum Ausdruck zu bringen. Die Preise sind eine wunderbare Anerkennung für unsere Arbeit. Besonders freut uns, dass wir sie in Paris erzielt haben, wo unser Weingut 1878 an der Weltausstellung zum ersten Mal einen internationalen Preis holte.»

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Marc-André Devanthéry und Florence Troger präsentieren stolz die beiden Weine, die in Paris Furore machten.

 

Die rote Rebsorte Cornalin wird auf dem Sittener Weingut erst seit rund dreissig Jahren angebaut. Die wahre Ikone des Unternehmens ist die Sorte Petite Arvine. «Diese Sorte bauen wir seit 1920 an. Der Wein entwickelt im Gaumen Aromen von Quitte, Honig und Edelfäule, er besticht durch reiche Süsse mit einem Hauch von Frische», lobt Marc-André Devanthéry seinen Petite Arvine, der in Frankreich ebenfalls als bester Wein seiner Kategorie ausgezeichnet wurde. Der weisse Likörwein wird je nach Traubenqualität produziert, «in sehr guten Jahren, das heisst in der Regel jedes zweite Jahr», erklärt Devanthéry. «Ich trinke meistens Cornalin; dazu passt ein gutes Stück rotes Fleisch oder Wildgeflügel. Der Petite Arvine ist für mich ein Meditationswein. Er trinkt sich besser allein, passt aber auch sehr gut zu einem Dessert oder einem harten Alpkäse», rät der Walliser Önologe.

Die vier wichtigsten einheimischen Sorten

Cornalin und Petite Arvine gehören zu den vier einheimischen Rebsorten, die in der Schweiz am meisten angebaut werden. Bei den weissen Sorten belegt der Chasselas Platz 1. Danach folgt in grossem Abstand die Petite Arvine. Von den roten einheimischen Sorten werden Humagne und Cornalin am häufigsten angebaut. Eine einheimische Sorte ist entweder das Ergebnis der Natur oder das Resultat einer spontanen oder gezielten Kreuzung verschiedener Sorten. «In der ganzen Welt gibt es schätzungsweise 5000 bis 10’000 Sorten. Rund zwanzig Sorten decken 80% der weltweiten Anbauflächen ab. Dazu gehören zum Beispiel der Cabernet Sauvignon bei den roten Sorten und der Sauvignon Blanc», erklärt Markus Rienth. «Für jede Region gibt es Sorten, die sich besonders gut eignen.»

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Der Weinberg Mont d’Or in Sion.

Mythen und Fakten

Der seit dem 16. Jahrhundert unter dem Namen Fendant bekannte Chasselas stammt ursprünglich aus dem Genferseeraum. Im Wallis, wo die Sorte 1848 eingeführt wurde, wird diese Bezeichnung nach wie vor verwendet. Die Rebsorte Petite Arvine ist älter. Sie wurde 1602 erstmals erwähnt und wird heute vor allem im Wallis angebaut. Die einheimische rote Sorte Humagne Rouge soll gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Aostatal in das Wallis eingeführt worden sein. Sie kann gemäss den Spezialisten als einheimische Sorte angesehen werden, da das Aostatal an das Wallis angrenzt. Die Sorte Cornalin wird nur im Wallis angebaut. Sie stammt ursprünglich aus dem Aostatal und war unter der Bezeichnung Rouge du Pays bekannt, bis sie 1972 in Cornalin umbenannt wurde. Welche dieser vier einheimischen Sorten ist Ihr Favorit?

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Der Cornalin «Vieux Cachet» und der Petite Arvine «Sous l’Escalier» des Weinguts Mont d’Or in Sion wurden im März 2019 an den Vinalies in Paris als bester Wein ihrer Kategorie ausgezeichnet.

Einige Zahlen zum Schweizer Wein

  • 15’000 Hektaren Rebfläche

     =

     +     6000 Hektaren weisse Sorten

     +     8000 Hektaren rote Sorten

  • Von den weissen einheimischen Sorten wird die Chasselas-Traube am meisten angebaut (60%). Auf Platz 2 folgt die Petite Arvine (3%).

 

  • Bei den roten einheimischen Sorten haben Cornalin und Humagne Rouge den grössten Anteil (je 2%).

 

  • Im Durchschnitt werden in der Schweiz über 10 Liter Alkohol pro Kopf und Jahr getrunken. 
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Der historische Keller des Weinguts Mont d’Or in Sion.