header

Roger Federer, der ideale Botschafter

Roger Federer vermittelt durch seine Persönlichkeit und sein Spiel typische Schweizer Werte: Zuverlässigkeit und Erstklassigkeit. Darüber hinaus verleiht er unserem Land ein modernes und offenes Image. Im Frühling 2019 feierte der Champion seinen 100. Turniersieg. Expertinnen und Experten äussern sich zur Rolle Federers in der Welt.

Die Frage, ob Roger Federer der beste Botschafter der Schweiz im Ausland sei, bejaht René Stammbach, Präsident von Swiss Tennis, ohne Zögern und fügt sogleich folgende Anekdote an: «Neulich war ich privat in Argentinien unterwegs, in einem kleinen Dorf weit weg von der Hauptstadt. Als die Leute erfuhren, dass ich Schweizer bin, redeten sie nicht über Uhren oder Schokolade, sondern über Roger Federer. Niemand verkauft die Schweiz auf internationaler Ebene so gut wie er.»

Véronique Kanel, Pressesprecherin bei Schweiz Tourismus, ist absolut gleicher Meinung: «Wer von Federer spricht, denkt an Zuverlässigkeit, Ausdauer und Einsatz, alles mit dem Anschein einer gewissen Leichtigkeit. Seine globale Strahlkraft vermittelt das positive Bild einer modernen, lockeren und weltoffenen Schweiz.»

Roger

Den Champion ein letztes Mal sehen

Mit 37 Jahren hat der Basler vor Kurzem den 100. Turniersieg seiner glorreichen Karriere gefeiert. Neulich kam es am Rande eines seiner Spiele in Dubai zu tumultartigen Szenen. Beim Publikum ist er so beliebt wie nie zuvor. «Die Leute wollen ihn unbedingt sehen, denn sie wissen, dass er angesichts seines Alters vielleicht schon bald zum letzten Mal dabei ist, dass er bald zurücktritt.» Federer gilt heutzutage als Monument, ein wenig wie der Louvre in Paris», erklärt Mathieu Aeschmann, der für die Tamedia-Presse über den Tennissport berichtet.

Für den Westschweizer Historiker Dominique Dirlewanger, Autor von «Les Suisses», ist die Assoziierung Federers mit der Schweiz naheliegend, stehen doch beide für ähnliche Werte. «Genauigkeit, Disziplin und Diskretion. Federer ist als Vater von doppelten Zwillingen ein vorbildlicher Familienvater. Ausserdem bleibt er stets seinem Image treu: cool und elegant, ohne jeglichen Fehltritt. Auf dem Court setzt der 37-Jährige auf seine Erfahrung und macht nicht unglaubwürdig auf jung.»

 

Roger Federer discovers the LINDT Difference
Roger Federer entdeckt LINDT
© Lindt Chocolate World

 

Der Sportwissenschaftler Grégory Quin von der Universität Lausanne spricht von «einer echten Verbindung zwischen Federers Image, insbesondere seinem präzisen Spiel, und den Schweizer Werten, die seine Sponsoren vermitteln.» Sechs der zwölf Partner des Baselbieters stammen aus der Schweiz und nutzen diese Tatsache in ihrer Werbung. «Roger Federer steht wie Lindt für Qualität und Erstklassigkeit», rühmt beispielsweise der Schokoladenhersteller seinen Markenbotschafter. Für Credit Suisse ist Federer die «meistbewunderte Ikone weltweit mit gemeinsamen Wertvorstellungen wie herausragende Leistung und Zielstrebigkeit». Und für Rolex vereint der Tennisspieler «Anmut und Eleganz». 

Die Grossen der Welt bewundern Federer

Für Jean-Philippe Danglade, Marketingprofessor an der Kedge Business School, ist Roger Federer mehr als ein Champion, er ist eine Marke. «Um eine Marke aufzubauen, braucht man zwei Dinge: Bekanntheit und ein Image. Federer hat beides. Er verkörpert Eleganz, Langlebigkeit, Zuverlässigkeit, Stabilität.»

2018 zählte das amerikanische Time Magazine Roger Federer erneut zu den hundert einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt. Bill Gates persönlich würdigte den Ausnahmesportler in der renommierten Zeitschrift mit einer Laudatio. Nach einem «Match for Africa» für einen guten Zweck wurden die beiden Männer Freunde. «Es scheint, als könne der Zahn der Zeit Roger Federer in diesem Sport, der so viel Disziplin verlangt, nichts anhaben. Kunstvoll vereint er den Drang zum Sieg mit ausgesprochener Eleganz. Der Tag, an dem er zurücktritt, wird ein Tag der Trauer sein», schrieb der Microsoft-Gründer.

Roger Federer Graces One of Six Covers for TIME's 100 Most Influential People Issue
Roger Federer ziert eines von sechs Covers für TIMEs 100 Most Influential People
© TIME

Persönlichkeiten aus Politik, Kunst, Lehre und anderen Bereichen bekunden ihre Bewunderung für den Champion ohnegleichen. Unter ihnen auch Anna Wintour, die Chefredakteurin der Vogue, Modezarin und Freundin Federers. «Ich bin um die ganze Welt gereist, um Roger spielen zu sehen. Ich leide, wenn er zurückliegt, ich bin ausser mir, wenn er gewinnt. Es gibt viele Federer-Fans, aber ich, ich bin ein regelrechtes Groupie!»

Er hat immer den nächsten Sieg im Visier und spielt trotzdem mit Klasse und Fairplay. Das macht die Marke Federer aus. Der Zyprer Marcos Baghdatis, Ex-Finalist der Australian Open, scherzte einmal: «Man müsste ihn hassen können, um eine Chance gegen ihn zu haben. Doch keiner kann das.»

Vergöttert in Asien

Roger Federer ist auf der ganzen Welt bekannt. In Asien jedoch wird er geradezu vergöttert. Neben seinem Tennisspiel bewundert man dort auch sein Benehmen, seine guten Manieren und seine Bescheidenheit, alles Tugenden, die in diesem Teil der Erde heilig sind. Federer sorgt nie für einen Skandal, eine Polemik oder eine Geschmacklosigkeit. Am letzten Masters-1000-Turnier in Schanghai wurde der Schweizer mit «always peRFect» auf Abertausenden roter Spruchbänder begrüsst.

Federer fans at Wimbledon
Federer Fans in Wimbledon
© CNN

 

Im August 2018 verliess der zwanzigfache Grand-Slam-Sieger überraschend seinen Ausrüster Nike, bei dem er zwanzig Jahre unter Vertrag war, und wechselte zu Uniqlo, der führenden japanischen Kleidermarke. Federer unterschrieb bei Uniqlo einen 10-Jahresvertrag über 300 Millionen US-Dollar. «In Asien schätzt man nicht nur seine Tenniskunst, sondern auch seine Diskretion ausserhalb des Courts. Er widerspiegelt unsere Wertvorstellungen aufs Beste», erklärte John C. Jay, Kreativdirektor von Uniqlo, dem Wall Street Journal. Uniqlo setzt auf Federer, um die Marke international bekannter zu machen und Zara und H&M in ganz Südostasien zu überholen, namentlich in Thailand, den Philippinen und in Malaysia.

Auch wenn Federer heute ein Weltstar par excellence ist, bleibt er doch immer seiner Heimat treu, was für sein Image als Botschafter der Schweiz entscheidend ist. «Seine Wurzeln sind in der Schweiz, hier fühlt er sich wohl», betont auch Lindt in seiner Werbung.

Der Basler besitzt zwar in Dubai eine Wohnung, ist aber auch Hauseigentümer im bündnerischen Valbella und hat gerade ein wunderschönes Anwesen in Rapperswil mit direktem Zugang zum Zürichsee erworben, wo er für sich und seine Familie ein neues Zuhause bauen lässt.  «Den französischen Spielern wirft man vor, dass sie aus Steuergründen ihr Land verlassen. Federer hingegen hat seine Heimat nie verraten. Da er ausserdem ausgezeichnet Französisch spricht, hat er auch in der Westschweiz eine grosse Fangemeinde», sagt Grégory Quin.

Der Schweiz treu geblieben

2016 konnte Roger Federer wegen einer Rückenverletzung lange nicht Tennis spielen und auch nicht an den Olympischen Spielen in Rio teilnehmen. Auf Twitter veröffentlichte er damals Fotos von sich beim Wandern in den malerischen Appenzeller Bergen zwischen Kühen, Bächen und verschneiten Gipfeln. Dazu schrieb er: «Missing the US Open but having an amazing time enjoying the Swiss Mountains» (Verpasse die US Open, geniesse dafür die herrlichen Schweizer Alpen). Damit machte er indirekt Werbung für unser Land, analysiert Véronique Kanel von Schweiz Tourismus. «Roger Federer hat in den sozialen Netzwerken unglaublich viele Follower. Es gibt wohl keine bessere Werbung, als ihn beim Wandern in der Schweizer Landschaft zu sehen!»

.
Roger beim Wandern durch die Schweizer Landschaft.
© Twitter @rogerfederer

 

Die weltweite Berühmtheit des Champions hat seiner tiefen Verbundenheit zu seiner Geburtsstadt Basel, wo seine Familie lebt, keinen Abbruch getan. Er ist immer noch Fan des FCB und ist regelmässig auf der Tribüne des St. Jakob-Parks zu sehen, wenn er es einrichten kann. Ausserdem hat er das ATP-Turnier von Basel nicht weniger als neunmal gewonnen, darunter die letzten beiden Ausgaben. Die Swiss Indoors haben in seinem vollen Terminkalender einen festen Platz. Es geht ihm nicht zuletzt um die Begegnung mit seinen Fans, seinen Liebsten und der Stadt, wie Mathieu Aeschmann betont. «In der Tenniswelt von Roger Federer gibt es jeweils zwei besondere Momente: Wenn er als Titelverteidiger den Central Court von Wimbledon betritt und wenn er um Punkt 18.00 Uhr bei den Swiss Indoors in Basel einläuft. Traditionsgemäss zählt der Speaker die Siege des «erfolgreichsten Spielers aller Zeiten» auf und begrüsst den Champion unter dem tosenden Applaus des Publikums mit «Welcome home».

Ein stolzer Schweizer mit Klasse und Verstand. Roger Federer ist der beste Botschafter der Schweiz. Eindeutig!